01.12.2017 Marokko – von Marrakesch ins Land der Berber und Tuaregs

Start der Reise ist Marrakesch, die „Rote Stadt“, die alte Hauptstadt Marokkos. Sie ist mit ihren knapp 1 Million Einwohnern nach Casablanca, Fes und Tanger die viertgrößte Stadt des Maghreb-Landes. Die Altstadt von Marrakesch, die Medina, versetzt ihre europäischen Besucher in eine bunte Zeitreise. In den engen Marktgassen, den Souks, finden sich Händler mit ihren kunstvoll aufgeschichteten Gewürzen, pflanzlichen Arzneien, Backwaren und sonstige Lebensmitteln aller Art, bunten Stoffen, handgewebten und -geknüpften Teppichen aus allen Landesteilen, filigranen Lampen und vielfältigem Kunsthandwerk. Man kann Handwerkern bei ihrer Arbeit zusehen, ein orientalisches Bad, ein Hammam, besuchen, beim obligatorischen Thé à la Menthe duftendes süßes Gebäck kosten und dabei die Störche auf den Dächern oder die zahlreichen Schwalben am Himmel bewundern. In einem der Riads der Medina – von außen unscheinbare aber innen märchenhaft schöne Paläste – zu übernachten, ist ein unvergessliches Erlebnis.

Von Marrakesch aus führt die Route über die schneebedeckten Berge des Hohen Atlas auf beschwerlichen Wegen entlang der Straße der Kasbahs vorbei an „Aït Benhaddou“ mit ihrer historischen Kulisse, in der spektakuläre Filme wie „Gladiator“ oder „Game of Thrones“ gedreht wurden, bis zum „Tor der Wüste“ Ouarzazate. Sobald der Hohe Atlas überquert ist, befindet man sich im Land der Berber. Sie sind zu Recht stolz auf ihre Kultur und äußerst gastfreundlich.

Danach geht es unterbrochen von Abstechern in die beeindruckenden Schluchten von Dadés und Todra vorbei an Erfoud und Rissani bis in die Sandwüste Erg Chebbi  ganz im Osten an der algerischen Grenze zur Wüstenstadt Merzouga. Dieser Teil Marokkos, in dem die traditionellen Lebensweisen der Nomaden noch anzutreffen sind und jeder Besuch in einem Zelt oder einer Herberge mit einem Begrüßungstee beginnt, bietet imposante, fast menschenleere Landschaften, in denen Dromedar- wie Ziegenherden zum Alltag gehören. Um die typischen Wüstenvögel wie Pharao-Ziegenmelker, Wüstengimpel, Rennvogel, Sandflughuhn, Wüstensperling und viele andere zu sehen, muss man sich allerdings viele Kilometer über Wüstenpisten hinein in die endlos scheinende Weite begeben, auf denen sich nur die Nomaden zurechtfinden und die Besucher wahlweise mit dem Dromedar oder im Allrad-Jeep führen.

Weiter geht es zu einem anderen Highlight, dem Drâa-Tal gesäumt von endlosen Palmenhainen. Der Drâa ist mit seinen 1.100 km der längste Fluss Marokkos. Er entspringt im Hohen Atlas am Tiz’n Tichka auf 4.000 m Höhe und mündet südlich von Agadir bei Tan-Tan in den Atlantik. Seit allerdings 1972 der große El-Mansour-Stausee bei Ouarzazate fertiggestellt wurde, erreicht der Fluss nur noch selten den atlantischen Ozean. Im mittleren Drâa-Tal speist der Fluss zahlreiche Oasen und bildet entlang der N 9 eine 90 km lange Kette von Palmenhainen, den Palmeraies, zwischen Agdz und Zagora, der alten Karawanenstadt. Danach sind es noch 100 km bis nach Mhamid am Rande der Sandwüste Erg Chegaga. Die Wüstenstadt M‘Hamid, insbesondere das alte M‘Hamid, hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die wenigen Menschen, die nicht weggezogen sind, pflegen ihre alten Sitten, bestellen ihre Felder mithilfe von Ochsenpflügen und bauen ihre Häuser in traditioneller Bauweise aus Lehmwänden. Und sie pflegen auch die Musik der Nomaden, indem sie sie neu interpretieren. Jedes Jahr im März findet das Internationale Nomadenfestival dort statt.

In den Atlantik münden nicht nur der Drâa, der zwar nur auf den letzten 50 km Wasser führt, sondern zahlreiche weitere Flüsse, die nicht nur während des Vogelzugs von besonderem Interesse sind. Im Nationalpark von Oued Massa brüten die letzten Waldrappe Afrikas, ganze Schwärme von Rosaflamingos, Löfflern und Limikolen bevölkern die Flussmündungen. An den steilen Klippen im Süden zwischen Tan-Tan Plage und Tarfaya sitzen die Angler mit Ihren langen Angelruten und angeln nach den 30 Meter unter ihnen schwimmenden Fische, die sie anschließend in den kleinen Fischrestaurants für wenige Dirhams verkaufen.  Nur gut 80 km trennen hier Europa von Afrika, denn Fuerteventura liegt direkt vor der Küste.

Wer schon immer nach Marokko wollte, sollte nicht mehr lange darüber nachdenken, sondern einfach hinfahren, die Gastfreundschaft der Menschen und das atemberaubende, wunderschöne Land selbst entdecken.

Ort: Schlosskeller im Saarbrücker Schloss
Termin: 01.12.2017 um 18:00 Uhr

Referent: Babara Böhme